Marktlage
KI-Rechenzentren: der Nachfragetreiber, den 2020 niemand auf dem Zettel hatte

Vor wenigen Jahren tauchten Rechenzentren in Kupferprognosen praktisch nicht auf. Die Treiber hießen Stromnetze, Erneuerbare und Elektromobilität. Inzwischen ist ein vierter dazugekommen — und er wächst schneller als die anderen drei.
Die Größenordnung
Nach Berichten über aktuelle Marktschätzungen kann ein einzelnes großes KI-Rechenzentrum bis zu 50.000 Tonnen Kupfer binden. Für das Jahr 2026 wird der Bedarf für Rechenzentrums-Installationen auf rund 475.000 Tonnen geschätzt — etwa 110.000 Tonnen mehr als im Vorjahr. Bis 2030 könnte er auf rund eine Million Tonnen jährlich steigen. Die Zahlen gehen auf Schätzungen von J.P. Morgan zurück.
Der eigentliche Verbraucher ist das Netz
Bemerkenswert ist, wo dieses Kupfer landet. Nur ein Teil steckt im Gebäude selbst — in Verkabelung, Stromschienen und Kühlung. Der größere Teil entfällt auf das, was außerhalb passieren muss: Anschlussleitungen, Transformatoren, Umspannwerke und der Netzausbau, ohne den ein Standort dieser Leistungsklasse gar nicht betrieben werden kann.
Ein KI-Rechenzentrum ist aus Sicht des Stromnetzes vergleichbar mit einer mittleren Stadt, die über Nacht entsteht. Und Netze werden aus Kupfer gebaut.
Warum das strukturell und nicht konjunkturell ist
Der Unterschied zu früheren Nachfrageschüben liegt in der Dauer. Ein Konjunkturprogramm läuft aus. Ein Rechenzentrum wird gebaut, angeschlossen und läuft dann jahrzehntelang — und das Netz dahinter bleibt verstärkt.
Der Publizist Marc Friedrich hat das in einem Gastbeitrag zugespitzt formuliert: ohne Kupfer kein Stromnetz, kein Elektroauto, kein Rechenzentrum, keine künstliche Intelligenz, kein Windrad, keine Wärmepumpe. Man muss seiner Marktprognose nicht folgen, um den technischen Kern zu teilen — Elektrifizierung ohne Kupfer gibt es nicht.
Was auf der Angebotsseite dagegensteht
Nichts, das schnell wirkt. Von der Entdeckung einer Lagerstätte bis zur ersten geförderten Tonne vergehen im Schnitt rund 17,9 Jahre. Neue Projekte arbeiten zudem mit deutlich ärmeren Erzen — Gehalte um ein halbes Prozent sind heute normal.
Die nötige Einordnung
Prognosen sind Prognosen. Sie können zu hoch gegriffen sein, der KI-Ausbau kann sich verlangsamen, und Effizienzgewinne können den Bedarf je Rechenleistung senken. Kupfer ist ein Industriemetall und schwankt stärker als Gold; nach steilen Anstiegen sind Rücksetzer normal.
Was sich schwerer wegdiskutieren lässt, ist die Richtung: Es kommt ein Nachfragetreiber hinzu, und die Angebotsseite reagiert langsam.
Quellen
- KI-Rechenzentren als Kupferfresser, wallstreet-online, 12.08.2026 — Zahlen zum Kupferbedarf von Rechenzentren nach Schätzungen von J.P. Morgan sowie zur durchschnittlichen Vorlaufzeit neuer Minen.
- Marc Friedrich: Ohne Kupfer steht die ganze moderne Welt still, Focus Online — Gastbeitrag; Meinungsäußerung des Autors, keine Prognose von Kyprion.
Dieser Beitrag gibt Marktbeobachtungen wieder und ist keine Anlageberatung. Historische Wertentwicklung ist keine Garantie für die Zukunft.